BrachenBrunch Coswig 2016

urbanofeel Felix Liebig BrachenBrunch 2016 Coswig Schluss

Coswig ist eine kleine Stadt kurz vor Dresden. Dort gibt es die Evangelische Schule Coswig, die zusammen mit einer kommunalen Schule im „Bildungszentrum West“ residiert. Mit Jugendlichen der 6. Klasse ging es am 23. Mai 2016 auf BrachenBrunch. Das alles bei Sonne, Wolken und Wärme – perfektem Wetter. Vorher war der Dozent Felix Liebig zusammen mit der Kunstlehrerin Katrin Schreyer dreimal in Coswig, um die besondere Brache zu finden, den neuen Eigentümer kennenzulernen und mit der Klasse Müllbuttons zu bauen. Nachher wird es an der Schule ein Upcycling-Projekt zum Thema Mode geben.

Ein Glücksfall für uns alle: Der vorige Eigentümer – eine global agierende Druckmaschinenfirma – war überhaupt nicht bereit, die Fläche herzugeben, doch über das Vermitteln der Stadt Coswig kam der Kontakt zum aufgeschlossenen Bauunternehmer Sascha Hippe vonÖkowert zustande.

Erstmal haben 23 Jugendliche in 5 intensiven Stunden 9 wundervolle Kunstobjekte aus vorgefundenem Müll auf der Brache Am Güterbahnhof geschaffen, die Kunstlehrerin und die Klassenlehrerin unterstützten neben dem Dozenten die Arbeit, ein Gastdozent hospitierte und entwickelte gleich noch eine eigene kleine Arbeit, der Eigentümer kam zu Visite und Gespräch vorbei, vier Eltern waren zur Vorstellung der Werke da, auch Geschwister und eine Redakteurin und ein Fotograf der Sächsischen Zeitung berichteten lokal. Genial!

Neben dem auch in Coswig wunderbaren selbstgemachten Brunch der Kids, einer sehr guten Tasse Kaffee für den Dozenten und Heldentaten wie einer vor dem Biss entfernten Zecke, ging es natürlich um die Kunst:

  • die „Hütte“ haben zwei sehr handwerklich-praktisch motivierte Jungs fast schon ingeniös gezimmert mit Ersatzbeton aus Erde und Wasser und reichen Schmuckbeigaben.
  • der „Bunker“ entstand ganz spontan und kurz vor Schluss als Einfall von drei Jungs, kehrt das innere eines Sperrmüllberges nach außen.
  • das „Schneckenbild“ entwickelte eine in sich geschlosse Formensprache und zeigt die individuelle Auseinandersetzung des Mädchens mit dem Ort.
  • bei „Mili’s Laden“ von zwei Mädchen bekommt man neben wiederverwertetem Elektroschrott so ziemlich alles, was eine Brache an Sonderangeboten bietet und fragt sich ganz klar nach dem Wert von Müll; daneben sogar:
  • die „Glascollage“ einer weiteren Gruppe von Mädchen aus Glas, anrüchigen CDs, die damit gleich noch einen guten Zweck bekamen und Pflanzen und
  • die „Vintage Bank“ zweier Mädchen aus Ästen und einer alten Lampe.
  • mit „Müsli“ gibt es eine echte Müllskulptur, ein menschliches Milieubild des Ortes aus dem Gefundenen
  • das „Baumhaus“ ist eine etwas inegrativere Variante eines Abhängortes für die Erbauer, nämlich halb im Gebüsch und sehr gemütlich mit einem Sitz aus Altreifen
  • der „Sensenmann“ (ja, Mann) kam sehr prozesshaft aus einem alten Windleitschirm von einem Autofenster und einem Stock – also der Sense – zustande, wurde dann folgerichtig mit einer Figurine am Kreuz auf dem aufgelassenen Beton ergänzt
  • die „Schöne Aussicht“ spielt mit dem Material Ziegel und Farbe – was wohl mit der Arbeit des Verfassers zu tun haben könnte…

Zum Abschluss haben alle jungen Künstlerinnen und Künstler ihre Werke den anwesenden Lehrerinnen, Eltern und Gästen präsentiert und dabei stets auch die oben angedeutete Geschichte des Objektes erzählt. Eine runde Sache, denn schon beim Basteln der als Erkennungsmarken gedachten Müllbuttons für die Gruppe zwei Wochen vorher war die Kreativität der Jugendlichen groß, ihre Ideen und Herangehensweisen ganz unterschiedlich. Auf der Brache gingen die Gespräche zwischen den Aktivitäten demnach nicht nur um Klima und Kunst, sondern auch um alters- und genderspezifische Ausdrucksformen und Neigungen Jugendlicher allgemein und der Schülerinnen und Schüler im Besonderen. Warum bauen Jungs ganz oft Räume? Warum Mädchen eher Objekte? Der Dozent hat sich in der Zwischenzeit viel mit der Arbeitsweise von Arno Stern beschäftigt. Das BrachenBrunch agiert ähnlich, wenn auch mit anderen Mitteln und an unterschiedlichen Orten. Ein spannendes Feld auch für die Zukunft … um es in Anlehnung an Paul Klee ganz banal zu sagen:

Die eigene Kunst (meine, unsere) macht sichtbar, was durch die Landschaften in Kopf und Körper der jungen Menschen und des Ortes an Ideen strömt.

Von mir herzlichen Dank an die Lehrerinnen Katrin Schreyer und Katharina Scheffler für die erfrischende Zusammenarbeit und Sascha Hippe für das Möglichmachen vor Ort! Und an die klasse Klasse!


Die Brache ruft …

urbanofeel Felix Liebig BrachenBrunch 2016 Coswig Brache

… das Brunch auch – „Brotdosencontest“ …

urbanofeel Felix Liebig BrachenBrunch 2016 Coswig Brunch

… der „Müllcontest“ erzählt eigene Geschichten vom bislang unsichtbaren Müll …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

… wie man langsam ahnen kann …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

… und in diesen Werken sehr gut sieht – na gut, die Zeitung war nur Fundstück, das hätten wir unserer Journalistin schenken sollen …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

… und wurde erzählerisch spannend präsentiert …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

… ein wunderbarer Tag.

urbanofeel Felix Liebig BrachenBrunch 2016 Coswig Schluss


SCHLAGWORTE:
Klima, Kunst, Schule, Brache, Brunch, Kulturelle Bildung, Stadt, Abfall / Müll, Energieeffizienz, Abfallkreislauf, Re- und Up-Cycling, Landart, Soziale / Kommunale Verantwortung, Kompetenzentwicklung, Projektlernen …

Advertisements